Analog vs. Digital – heute: Arbeiten

Vor einigen Jahren, noch gar nicht so lange her, da machten sich viele Gedanken über das Papierlose Büro. Ob aus dem Drang heraus, Daten zu sammeln, oder aus Umweltschutz erschloss sich mir nie, aber es war ja im Prinzip keine schlechte Sache.

Auch das Thema Homeoffice war immer wieder eine Diskussion wert. Arbeiten die da wirklich zu Hause, wird weniger geschafft, oder gar mehr? Wer weiß das schon?

Homeschooling ist in Deutschland sogar verboten, also eigentlich.

Letztlich wurden die ersten beiden Punkte immer mal wieder probiert, bei dem Einen mehr, bei dem Anderen weniger, zumindest bis Corona kam.

Keine Krise hat in den letzten Jahrzehnten so viel verändert und so viele Regelungen umgeworfen wie die aktuelle. Von einem Homeschoolingverbot will heute kein Bundesland mehr etwas wissen, Daten müssen papierlos abgelegt werden, da die Kollegen alle im Homeoffice sind und sonst nicht auf selbige zugreifen können und auf Sitzungen kann man heute ganz bequem nur die Unterhose zum Hemd tragen, solange man nicht aufsteht und diese in die Kamera hält. Es ist schon verblüffend, wie schnell so etwas gehen kann.

Doch diese ganze digitale Welt hat natürlich auch Ihre Schattenseiten.

Für mich als Außendienstler ist Homeoffice ein alter Hut. Da die Firma für die ich arbeite in Wiesbaden sitzt und ich in Hannover wohne, bleibt mir nichts anderes übrig, als meine Bürotätigkeiten zu Hause zu erledigen. Ich habe mich dran gewöhnt 2 Tage in der Woche von zu Hause zu arbeiten und habe natürlich meine eigenen Rituale entwickelt.

Für meine Frau, die nicht so häufig im Homeoffice ist, war das anfangs noch anders. Die ersten Tage in Jogginghose entspannt und ohne Störungen mehr schaffen als im Büro.

Doch mit der Zeit ist es dann sogar für mich schwer geworden mit dem Ganzen.

Rituale wurden noch wichtiger, um den Abstand zu Arbeit zu bekommen. Einen Feierabend zu bekommen, auch im Kopf. Morgens normal anziehen, als wenn man ins Büro geht und nach Feierabend umziehen. Das Diensttelefon abschalten, bzw. die Umleitung aus dem Arbeitstelefon entfernen und am Besten etwas rausgehen. Soziale Kontakte, die auf der Arbeit spontan und normal waren muss man nun bewusst anrufen und im Meeting muss man noch genauer jeden einzelnen betrachten um zu sehen, wie die Reaktionen sind.

Alles spielt sich nur noch virtuell ab. 6 Stunden Sitzung am Laptop bewirken dass, wovor unsere Eltern immer gewarnt haben, wenn wir zu lange vorm Fernseher saßen, man bekommt eckige Augen.

So schön die neue Welt auch ist und welche Möglichkeiten sie uns in dieser Krise auch bietet, so befremdlich und kalt wird sie auch. Schon einige Male hab ich nun vor dem Computer gesessen, habe diesen angestarrt und dachte der Kopf ist leer, nicht mehr wissend was ich jetzt machen wollte. Zu oft nach einem dieser Meetings saß ich da und war physisch und psychisch einfach kaputt, ausgepowert wie nach einem langen Lauf, nur ohne das Glücksgefühl es geschafft zu haben, was beim Sport doch eigentlich immer da ist.

Es zehrt an mir, das digitale Arbeiten, gerade in den Sitzungen, in denen ich mehrere Stunden 5 bis 10 Menschen immer gleichzeitig im Blick habe, keine Chance mal etwas mit meinen Gedanken abzuschweifen, denn die anderen haben mich ja auch die ganze Zeit im Blick. Man ist so auf diesen Bildschirm fixiert und muss versuchen die Reaktionen der anderen nur aus diesem kleinen Ausschnitt zu lesen. Die kleinen Gesten beim Reden, die Mimik, die ich sonst wie selbstverständlich wahrnehme gehen in dem digitalen Fenster unter.

Digitales Arbeiten hat sicherlich viele Vorteile, auch ist es wahrscheinlich wirklich ressourcenschonender als das ständige Reisen um von einer Sitzung zu anderen zu kommen.

Mein Fazit, es funktioniert nur als eine Art Kurzzeitlösung, ein Überwinden der Krise in der Isolation, aber ohne persönliche Kontakte stumpfen wir auf Dauer ab, wir vereinsamen, obwohl doch alle in digital greifbarer Nähe sind.

Ich bin kein Arzt, schon gar kein Psychologe, aber ich glaube, dass das Thema Burn out nach der Krise noch schlimmer wird. Digital macht Sinn, aber nicht aufm Dauer, das merke ich in meinem Umfeld und vor allem bei mir selbst.

Passt auf Euch auf und bleibt neugierig…

Das hält den Kopf fit.

Euer Olfork


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