Es kann garnicht bunt genug sein

Wenn ich Salat esse, dann wird es immer bunt. Schluss mit dem langweiligen Einheitssalt aus Eisberg, Mais, Zwiebeln, Tomate und Gurke, ich will mehr, mehr Farbe, mehr Abwechslung.

Meist landen alle möglichen Rüben und Knollen mit im Salat, mal geraspelt, mal gestiftet oder in Scheiben. Ich bin da ganz flexibel, ich nehme einfach das, was mir die Region und die Saison gibt. Bei unserem Gemüsehändler auf dem Markt gibt es auch immer schon reichlich verschiedene Pflücksalate. Sauerampfer, Postellein, Lollo Rosso oder auch mal Wildkräuter. Im Winter dann eben Feldsalat, ganz so wie es wächst. Zum Schluss noch etwas Obst wie Beeren, oder Orangen und ein paar geröstete Brotstücke.

Genauso wie mit dem Salat halte ich es auch mit meinen Freunden und den Menschen um mich herum. Es kann nicht bunt genug sein.

Vor zwei Jahren, zu meinem 40. Geburtstag hatte ich ein großes Experiment, ich wollte mal wieder feiern, was ich so alle 10 Jahre mal mache, und unsere ganzen Freunde einladen. Das interessante daran war, dass wir so viele unterschiedliche Freunde haben, die sich untereinander garnicht kennen und in Ihrem Wesen oder auch in der Herkunft so unterschiedlich sind, dass es für mich wirklich ein Experiment war.

Letztlich ist alles super gelaufen, natürlich, denn wenn manisch kennen lernt und mindestens eine Gemeinsamkeit hat, in diesem Falle mich, dann ich es garnicht so schwer. Erzkatholische Freunde plapperten lustig mit den „Grufties“, der Texanische Biokoch hielt einen lockeren Plausch übers Essen mit der Mc Donaldsmitarbeiterin und meine konservativen Eltern mit den Tätowierten. Am einfachsten war es letztlich nie den Kindern, denn die interessierte sowieso nicht, wo der Gegenüber herkam, sondern nur ob er mitspielt oder nicht. Es war ein gelungener Geburtstag und alle hatten Ihren Spaß. Warum klappt das sonst nur nicht.

Wenn wir uns unser Land und unsere Geschichte ansehen, dann sollte das eigentlich anders sein. Deutschland als solches ist doch eh ein Vielvölkerstaat mit einer ganz alten Flüchtlingsgeschichte. Eigentlich gibt es das Land Deutschland erst seit 1871 als deutsche Reichsgründung. Davor waren es viele Einzelstaaten mit unterschiedlichen Herrschern und Gebräuchen. Die Bundesrepublik wurde sogar erst 1949 gegründet und ist somit ein wirklich junger Staat.

Aber was die Aufnahme von Flüchtigen betrifft haben wir schon eine lange Tradition. Ab 1685 kamen die Hugenotten, die französischen Protestanten in die deutschen Kleinstaaten und wurden von den Herrschern heiß umworben, waren es doch gute Arbeitskräfte, die man dringend brauchte. Später im Krieg kamen die Ostpreußen und Pommern auf der Flucht in das Heimatland, sie würden auch nicht geliebt, obwohl es doch auch deutsche waren. Nach dem Krieg holten wir Italiener, Griechen und Türken nach Deutschland um die Arbeit zu schaffen, die es bei uns zu Hauf gab. Auch die Vertriebenen, die nach dem Krieg in der UDSSR umgesiedelt wurden kamen später nach Deutschland und irgendwie möchte sie auch keiner. Heute gehören sie zum normalen Bild und sind meist Deutsche Bürger. In den 80ern kamen viele aus der DDR in den Westen, letztlich auch Flüchtlinge, die vor dem Regime oder auch vor der Mangelwirtschaft flohen. Heute gibt es zwar immer noch Ossis und Wessis, aber wir sind ein Land. Jetzt sind es die Flüchtlinge aus Afrika, die zu uns kommen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Und sind wir mal ehrlich, kann man es Ihnen verübeln? Würden wir nicht auch fliehen, wenn wir Angst um unser Leben und um unsere Zukunft hätten?

Und wer weiß, vielleicht gehören diese Flüchtlinge in 30 Jahren genauso zum Bild von Deutschland, wie die Griechen, Italiener, Deutschrussen oder Hugenotten. Vielleicht reden wir dann nicht mehr von den Ausländern und gehen wie selbstverständlich zum Afghanen essen, wie wir heute beim Italiener sind. Vielleicht haben wir Menschen uns aber auch abgeschafft, vielleicht sind dann auch die letzten Deutschen auf der Flucht, weil dieses Land zerstört ist, vom Klimawandel oder einem Krieg. Vielleicht sind wir dann die Flüchtlinge, die irgendwo ungewollt sind und die in irgendwelchen Auffanglagern Ihr Dasein fristen. Wer weiß das schon.

Anstatt diese Menschen zu verachten und schlecht zu machen, sollten wir lieber neugierig auf sie zu gehen, sie kennenlernen. Wir würden wahrscheinlich vieles finden, wo diese Menschen genauso sind wie wir und wer weiß, vielleicht helfen Sie uns dann auch, oder wir feiern zusammen eine tolle Party. Denn wie beim Salat bringt auch bei den Menschen die Vielfalt die Würze.

In diesem Sinne,

Bleibt neugierig…

Euer Olfork


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