Idiotie bei der Mülltrennung

Vor kurzem habe ich einen dieser dummen Sprüche in einem unsozialen Netzwerk gelesen, der mir durchaus zu denken gab.

Beschreiben Sie Deutschland.

In Deutschland haben die Altglascontainer Öffnungszeiten.

Ich finde der Spruch sagt eine Menge über das Land der Mülltrenner, aber es ist nicht das einzige, was auffällt, wenn man sich unsere Müllwirtschaft ansieht. Schon alleine das Wort, Abfallwirtschaft zeigt doch, worum es auch hierbei geht, um Geld!

Ich wohne im Speckgürtel von Hannover, bei uns gibt es für das Altpapier Säcke, Säcke aus Plastik, in die ich mein Altpapier stecke und die dann, in der Sortieranlage wieder herausgesucht werden müssen, solange es überhaupt dort landet und nicht gleich verbrannt wird. Wenn ich allerdings mit meinem Altpapiersack, der mittlerweile sogar extra Geld kostet, zum Wertstoffhof fahre, muss ich das Papier aus dem Sack entfernen und darf es nicht komplett in den Container werfen.

Die Alternativen sind allerdings auch begrenzt, packe ich das alte Papier in einen Karton und stelle den Montags morgens an die Straße, so bleibt dieser stehen, da ich ihn nicht in einen Sack gepackt habe. Die Altpapiercontainer dagegen, haben so kleine Öffnungen, dass ich gerade mal meine Zeitung da hinein bekomme. Einen Karton müsste ich erst einmal bis aufs kleinste zerreißen, sonst passt es nicht.

Kartons sind sowieso so etwas, was mich gerne einmal ärgert. Früher wurden die Kartons, in denen die Ware im Supermarkt ankam in große Boxen neben dem Packtisch gestellt, damit die Kunden diese zum Transport ihrer Waren nutzen konnten, heute gibt es kostenpflichtige, extra produzierte Kartons an der Kasse, die Geld kosten und damit wohl auch die Wirtschaft ankurbeln. 😦

Deutschland, das Land der Mülltrennung? Eher das Land der Müllproduktion.

Gestern Abend habe ich in einer kostenlosen Zeitung aus dem Bioladen gelesen, dass wir beim Plastik eine Wiederverwertungsquote von 99,4% haben. (Quelle: Umweltbundesamt, meine Quelle: Schrot und Korn 6/2019) das klingt erst einmal super. Geht man aber weiter in die Details, dann merkt man, dass es eigentlich nur ein Drittel dieser Abfälle wirklich recycelt wird. Der Rest, immerhin zwei Drittel, werden energetisch wiederverwertet, also verbrannt. Zwar macht man daraus Energie, aber zu einer ähnlich schlechten Effizienz wie bei einem Kohlekraftwerk. Wenn man sich dann noch überlegt, dass 2016 in Deutschland 18,2 Millionen Tonnen an Verpackungen für unsere alltäglichen Waren verbraucht wurden, (Quelle: ebenfalls Schrot und Korn 6/2019/Umweltbundesamt) dann würde das heißen, über 12 Millionen Tonnen werden davon irgendwo auf der Welt verbrannt, da auch Deutschland gerne Müll exportiert. Eine für mich unbegreifliche Zahl.

Doch was tun wir dagegen?

Unsere Regierung setzt auf Freiwilligkeit, wie bei so ziemlich allem. Leider funktioniert das nicht so wirklich. Die Getränke in den Einwegverpackungen sind nach wie vor billiger, als die in Meerweg. Alles was wir kaufen können ist in Plastik verpackt und wenn ich meine Wurst am Tresen kaufe, dann habe ich trotzdem tausend Folien in der Wursttüte. Mittlerweile bringen viele ihre Schalen selbst mit, selbst erste Supermarktketten bieten diesen Service, der auf Wochenmärkten schon gängige Praxis ist. Doch auch hier spielt das eine oder andere Ordnungsamt nicht mit. Neulich auf dem Wochenmarkt gab eine Dame dem Verkäufer Einmachgläser um die Käsecreme und die Oliven nicht in Plastikschalen bekommen zu müssen. Leider musste der Verkäufer es trotzdem in Plastik verkaufen, da er Ärger vom Ordnungsamt bekommen hatte und mit empfindlichen Strafen rechnen musste. Unhygienisch sei dies. Ich glaube ja eher, dass es unhygienisch ist, sein Essen in umgewandeltem Rohöl zu lagern, aber unsere Regierenden sehen das wohl anders.

Ich nutze auch meine Gemüsenetze und mein Schlachter verpackt meinen Einkauf in Papier. Für Käse hab ich separate Dosen und mein Brot kommt in einen Leinenbeutel. Getränke gibt’s in Mehrwegflaschen und ich kaufe nach Möglichkeit Regional und Saisonal. Ich versuche wirklich Müll zu vermeiden, aber tue ich das wirklich? Wieviel Verpackungsmüll wird denn vorher schon produziert, wieviel Müll wird vorher entsorgt?

Ein kleiner Supermarkt (ca.1000qm), dessen Marktleiter ich gut kenne, erzählte mir vor kurzem, dass er in der Woche ca fünf große Bällen Altpapier und zwei Ballen Folie entsorgt. Ein Ballen hat da ungefähr die Größe von einem halben Kubikmeter. Wir reden hier von Verpackungsmüll, den wir garnicht mitbekommen, von dem Müll der vor dem Verkauf produziert wird, von dem Müll, der zusätzlich da ist, zu dem, was wir zu Hause auch noch entsorgen.

Etwas über das wir mal nachdenken sollten.

Bleibt neugierig…

Euer Olfork


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