Still analogue- Drechselkurs

Zu Weihnachten habe ich von meiner Frau einen Gutschein geschenkt bekommen, so etwas schenken wir uns häufiger. Konzerttickets, Gutscheine für schöne Dinge, letztlich schenken wir uns einfach Zeit und das ist das schönste, was man sich schenken kann.

Dieses mal war es ein Gutschein für einen Drechselkurs. Drechseln fand ich schon immer faszinierend, die Werkzeuge und das, was am Ende dabei rauskommt. Ich gehöre ja noch zu der Generation, bei der Werken ein Fach in der Schule war. Aber gedrechselt hatte ich noch nie. Irgendwie scheint das Drechseln auch ein Hobbytrend zu werden, es gibt unzählige Videos auf den üblichen Kanälen dazu und auch wieder reichlich Menschen, die auf Märkten etwas gedrechseltes verkaufen.

Nun aber zum Kurs. 😉

Um 8:39h sollte es losgehen, in der alten Zuckerfabrik in Vechelde, einem kleine Ort in der Nähe von Peine. Der Lehrer bat um pünktliches erscheinen. Also sprang der Ork heute morgen früh aus dem Bett. Naja sprang ist da wohl eher übertrieben, aber die Vorfreude auf den Kurs lies es mir heute etwas leichter fallen. 😉

Um 8:15 war ich auch pünktlich auf dem Parkplatz, ein Auto stand hier bereits, drin saß ein weiterer Teilnehmer des Kurses, der witziger Weise auch Olaf hieß. Es kamen noch zwei weitere Personen, ein Vater mit Sohn und schon war unser Kurs vollständig. Pünktlich um halb holte uns auch unser Drechsellehrer ab. Dominik, ein junger Mann, der auf den ersten Blick so gar nicht nach altem Drechselmeister aussah.

Durch die Gebäude führte er uns in die Werkstatt, einem großen hellen Raum mit allerlei Gerät und Späne. Natürlich waren wir alle drauf erpicht loszulegen, doch wie immer kam vor der Praxis erst einmal die Theorie. Holzkunde!

Ich fand das Thema wirklich spannend und wer denkt Holz ist gleich Holz, der irrt gewaltig. Es gibt so viele Unterschiede in Farbe, Härte, Dichte und Beschaffenheit, wie es unterschiedliche Rinden oder Blätter gibt. Auch die Art, wie Holz durch Feuchtigkeit arbeitet und sich verändert fand ich total interessant. Und selbst der Tischlermeister, der als Teilnehmer am Kurs teilnahm lernte wohl noch einiges dazu, bzw. frischte einiges an Wissen wieder auf.

Gleich danach kam dann die Maschinenkunde samt Sicherheitsunterweisung und Dominik wusste einiges von Unfällen an der Drechselmaschine zu erzählen, dass man auch schnell hätte Angst bekommen können, die er uns aber relativ schnell wieder nahm und uns ermutigte es einfach zu probieren und konzentriert bei der Sache zu bleiben.

Nach einer kurzen Pause ging es dann auch los. Wir spannten ein eckiges Stück Buchenholz in unsere Drechselbänke ein und der Motor setzte sich das erste mal in Bewegung. 2000 Umdrehungen machte das Holzstück in der Minute und ich fragte mich, wie denn der eckige Quader Holz, der da vor mir eingespannt war, denn nun rund werden sollte.

Ganz einfach! Dominik zeigte uns wie wir durch langsame Bewegungen und langsames Abnehmen von Spänen das Holz immer runder bekamen und es funktionierte. Wir fanden schnell eine Routine dabei und ich muss sagen, es hat etwas sehr entspannendes, fast meditatives.

An unserem, nun rundem Werkstück lernten wir dann auch die ersten Techniken. Kanten und Bögen, auch den Umgang mit den anderen Eisen könnten wir an diesem Stück ausprobieren. Am Ende sah es zwar aus, wie die Endstücke einer alten Gardinenstange, aber der erste Stolz kam auf. 😉

Anschließend war Mittagspause und wir packten unsere Brote aus, auch wenn reichlich Knabberkram, in Form von Nüssen und Obst angeboten wurde, bräuchten wir doch unsere Stullen. Getränke gab’s vor Ort auch und diese waren ebenso im Preis inbegriffen.

Nach der Mittagspause ging es weiter. Noch ein bisschen Theorie. Wie schleife ich das Eisen, das Werkzeug und wir kamen zu unserem „Hauptstück“. Ziel war, am Ende mit einer selbstgedrechselten Schale nach Hause zu gehen. Also bekam jeder von uns einen runden Klotz Holz, den wir erst einmal von außen bearbeiteten. Auch sollten wir auf der Unterseite eine Vertiefung für die Halterund am Gerät einarbeiten. Es war spannend, zu sehen, wie sich das Holz langsam veränderte und die gewünschte Form annahm.

Nachdem unsere, noch geschlossene Schale umgesetzt wurde, ging es an den Innenteil. Späne über Späne flog uns entgegen, aber die Schale höhlte sich langsam aus. Am Ende waren alle stolz und jeder hatte es, ohne Schäden an Mensch, Maschine oder Werkstück geschafft. Einen kurzen Abschluss in Theorie gab es am Ende noch, über die Pflege des Holzes und wir vier machten uns, mit stolz geschwellter Brust, auf den Heimweg.

Es war ein toller Tag und ein toller Kurs. Nette Menschen, ein guter Lehrer und viel Spaß.

Ich werde mir jetzt zwar nicht gleich morgen eine Drechselmaschine zulegen, aber die Überlegung, irgendwann einmal meine kleine Hobbywerkstatt damit zu erweitern ist schon gegeben. 😉

In diesem Sinne,

Bleibt neugierig…

Euer Olfork

PS: der Link ist ja wieder irgendwie Werbung, aber ich pack diesen trotzdem mal rein.

Holz.Hand.Werte


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